Wenn ich jetzt gerade aus dem Fenster schaue, sehe ich blauen Himmel und strahlende Sonne. Die vergangenen Tage war das Wetter komplett konträr. Es hat gestürmt und Regenbäche sind aus den Wolken gekommen.
Unsere erste Nacht in Uruguay war genauso: Es regnete, gewitterte und stürmte. Und nicht nur das. Wir wohnten zu der Zeit auf einer Anhöhe und in unmittelbarer Nähe war ein Berg mit diversen Antennen. Regelmäßig sind dort Blitze eingeschlagen, die man spüren und nicht nur sehen konnte.
Einmal sind wir nachts aufgewacht, weil der Boden durch den Blitzeinschlag gebebt hat. Das war mal ein Erlebnis.
Gewitter war ich zwar aus Deutschland gewohnt, aber nicht so. Relativ zügig habe ich festgestellt, dass das Wetter hier voller Extreme ist: Wundervoll heißer Sommer mit wochenlangem Sonnenschein. Selbst im kalten Winter kommen Tage vor, an denen wir bei 20 Grad im Garten sitzen. Der Sternenhimmel ist beeindruckend und der Mond strahlt manchmal so hell, wie eine Taschenlampe am Himmel. Und wie schon erwähnt sind die Regentage hier nicht ohne. Zwei, drei Tage Sturm, aber dann ist wieder für eine Weile Ruhe.
Wir leben nun mal in Sichtweite des Ozeans in den Subtropen, da muss man mit anderem Wetter rechnen.
Auch mit den Auswirkungen solcher Stürme muss man kalkulieren. Erst vor einigen Wochen ist ein riesiger Eukalyptusbaum während eines Sturms entwurzelt worden. Er landete teils in unserem Garten. Faszinierend ist, dass die Fallrichtung so gut geplant war, dass unser Drahtzaun nur verbogen wurde. Der Baum stand im direkt angrenzenden Nachbargarten und hätte unser Haus oder das der Nachbarin komplett zerstören können. Der Baum war etwa 18 Meter hoch.
Aber nein. Ich habe abends nur ein komisches, kurzes Rauschen gehört und am Morgen nicht schlecht gestaunt.
Da standen wir im Garten vor dem Baumstamm und mir kamen die Gedanken hoch: Cool! Brennholz! Und danke Gott für diese präzise Landung!
Nicht immer läuft es so glimpflich ab. Am meisten haben wir an solchen Sturmtagen Probleme mit dem Strom. Die ersten Male, war es für mich Stress pur, weil ich es aus Deutschland nicht kannte. So selten fällt da mal der Strom aus. Offen gestanden hatte ich hier anfangs keine Ahnung, was ich in solch einer Situation tun soll. Muss ich jemanden anrufen? Wo überhaupt und wie erkläre ich das mit meinem mäßigen Spanisch?
Ich kann nicht sagen, ob das überall in Uruguay so ist, aber in den Regionen, in denen wir bis jetzt gelebt haben, gab es immer wieder instabile Stromleitungen. Diese sind hier oberirdisch verlegt und sind dadurch anfälliger. Meistens ziehen Stürme Störungen mit sich und manchmal ist es menschliches Verschulden.
Zur Sommersaison ziehen in unsere Region viele Touristen und da sind die Leitungen häufig überlastet. Manchmal fährt auch einfach mal ein Lkw die Kabel kaputt. So wie erst kürzlich unser Internetkabel abgerissen wurde.
Wenn jetzt der Strom für eine Zeit lang weg ist, kommt in mir kein Stress mehr hoch. Strom braucht bei uns eigentlich nur der Kühlschrank, die Waschmaschine und die Lampen. Eine Kerze steht immer parat und die Kinder haben Freude daran, mit den Taschenlampen durch das Haus zu laufen. Wir kochen mit Gas, sodass ich selbst dabei nicht gestört werde. Also, worüber aufregen?
Wenn wir mal Schwierigkeiten mit dem Wasser haben, sind wir auch schon eingespielt. Wenn wir merken, dass der Druck in der Leitung nachlässt, lassen wir das restliche Wasser aus den Leitungen in Eimer ab. Sodass wir die Toilette weiter spülen können. Und eine 6-Liter-Flasche Trinkwasser ist auf Reserve immer vorhanden. Man muss sich nur organisieren.
In unserem ersten Haus in Uruguay, einem Container-Haus, waren das Wasser und die Luftfeuchtigkeit ein großes Problem. Die Bauweise war so, dass es keine Dämmung gab und die innere Verkleidung, also Decke, Boden und Wände, aus einem nicht atmungsfähigen Material bestand. Die Decken waren aus Kunststoff und die Wände wurden mit Platten aus gepresstem Holz verkleidet, die zudem foliert waren. Außerdem wurden einfachverglaste Scheiben mit Alurahmen verbaut.
Es sah schick aus und war neu.
Praktisch war es auf einer Seite schon: Wenn die Kinder sich mal künstlerisch an der Wand ausließen, konnte ich das zügig beseitigen. Tatsächlich habe ich hier einige Häuser gesehen, die auf diese Weise gebaut werden.
Warum verstehe ich nur nicht. Gerade bei der hohen Luftfeuchtigkeit. Vermutlich ein finanzieller Aspekt.
Wir haben nur leider schnell gemerkt, dass schick und neu nicht unbedingt auch gut bedeutet. Bei Regen lief das Wasser durch die Fenster zwischen Verkleidung und Container. Gelegentlich tropfte es auch von der Decke. Ob es Kondenswasser oder Regenwasser war? Beides möglich. Schnell bildete sich Schimmel an allen Enden.
Schimmel und Rost sind hier im Land auch so schon ein großes Thema. Die Bauweise hat den Prozess noch beschleunigt. Da tropfte es nicht selten ebenfalls aus meinen Augen. Die Wohnsituation frustrierte mich und brachte mich zum Weinen.
Mittlerweile bin ich da sehr gelassen. Obwohl unser derzeitiges Haus seine eigenen Mängel aufweist. Wir mussten unter anderem direkt nach dem Einzug die Toilette erneuern, da mein Mann entdeckt hatte, dass die Konstruktion der Rohre nicht so ganz zusammenpasst. Also besser erneuern, bevor die Sauerei noch größer wird.
Auch das Dach wurde nach wenigen Wochen vom Eigentümer repariert, da bereits beim ersten Regen, das Wasser die Wände hinunterlief.
Ich nehme es als Schulung auf, wie wir unser eigenes Haus auf jeden Fall nicht bauen werden.
Worauf ich bei all dem eigentlich hinauswill, ist, dass es immer darauf ankommt, wie wir mit unserer Situation umgehen. Wir können uns aufregen, Angst haben, schimpfen, weinen oder schreien.
Oder wir können uns freuen und danken.
Danke, dass diese Situation mich wachsen lässt. Danke, dass es die meisten Tage nicht so ist. Danke, dass es keine weiteren Auswirkungen auf mich hat. Danke, dass ich in solch einem Überfluss leben darf. Danke, dass ich nie allein bin.
Konnte ich das wirklich in jeder Situation, danken?
Nein, tatsächlich nicht. Ich habe viel geschrien, geschimpft und geweint vor Wut und Angst.
Es ist ein Prozess. Aber ich werde jedes Mal besser darin. Es ist befreiend, sich von diesem Negativen zu lösen und die Perspektive zu wechseln.
Ich versuche, das Positive in solchen Situationen zu sehen, und danke Gott dafür. Und wenn ich das Gute mal nicht sehen kann, überwinde ich mich und sage trotzdem laut „Danke!“. Für irgendetwas wird es schon gut sein, auch wenn ich es nicht erkennen kann. Unser Vater schafft es nämlich immer, aus allem Bösen etwas Gutes zu machen. Und darauf vertraue ich.
Also: Danke, danke, danke!


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