Vor einigen Monaten machten wir als Familie einen Ausflug in die Hauptstadt Uruguays. Wir haben einen Termin in der Deutschen Botschaft mit einem Besuch im Shoppingcenter verbunden.
Es war mein erster größerer Ausgang mit neuem Dresscode. Ich trug einen langen schwarzen Rock und dazu ein weißes T-Shirt, mit etwas Schmuck und einer Handtasche aufgepeppt. Ich habe mich wohlgefühlt und habe begonnen, die Blicke der anderen anders wahrzunehmen. Es war keine Fleischschau mehr. Niemand, der mir in den Ausschnitt schaut, auch wenn er versucht, die Augen anzuvisieren, oder sich nach meinem Hintern umdreht.
Dabei habe ich begonnen, im Shoppingcenter von Montevideo, die Menschen um mich herum anders zu betrachten. In Erinnerung ist mir ein Mädchen geblieben. Ich schätze sie mal auf 14 Jahre. Sie ging an mir vorbei und versuchte mit aller Kraft zu verbergen, wie unwohl sie sich eigentlich fühlte. Ihr Outfit zeigte unfassbar viel Haut, eine Kombination aus Korsage, Hotpants und Stiefeln. Wenn überhaupt, dann ist die Kleidung für die privaten vier Wände gedacht … bei einer erwachsenen Frau, nicht bei einem Mädchen.
Aber da erkannte ich mich selbst wieder. Auch ich habe in dem Alter häufig falsch in den Kleiderschrank gegriffen und mich viel zu sexy gekleidet. Ich dachte, das wäre richtig so, denn man sieht doch unentwegt Frauen, die sich genauso kleiden und Anerkennung ernten. Nicht selten in Filmen oder Social Media.
Und kleine Mädchen sehen genau dieses Bild der Frau und denken: So muss ich als Frau aussehen. Und machen es nach.
Ich habe mich genauso unwohl und nackt gefühlt wie dieses Mädchen im Shoppingcenter. Auch ich habe als Kind nach Orientierung gesucht und viele falsche Bilder gesehen, die sich auf meiner Festplatte eingebrannt haben.
Eine Frau ist nicht erst schön, wenn sie ihre Brüste, ihren Bauch, Beine oder ihren Hintern präsentiert. Ich meine damit nicht, dass man hier direkt in das andere Extrem geht und sich komplett verhüllt, sondern dass jeder für sich selbst einen Kleidungsstil finden sollte.
Und wenn man die Leute in der Stadt beobachtet, sieht man so unfassbar viel Figur, dass man sich gar nichts mehr vorstellen braucht. Selbst die Jeanshosen sind so körperbetont, dass der Blick auch bei mir automatisch auf den Hintern wandert.
Es ist echt schwer, da die Augen bei sich zu halten, auch bei den vielen Leggings und bauchfreien Tops.
Dieses Outfit tragen überraschend viele, unabhängig von Figur und Statur. Aber warum eigentlich? Es sieht nicht einmal gut aus.
Und du wirst es nicht glauben: Ich habe vorher genau die gleichen Sachen getragen.
Und jetzt wiederhole ich mich: Warum eigentlich?
Ich habe nach Orientierung gesucht. Und scheinbar habe ich eine Quelle gewählt, für die sich unzählige andere Frauen auch entschieden haben. Ob sie gut war, sei mal dahingestellt.
Tja, und jetzt habe ich einen neuen Orientierungspunkt gefunden. Der heißt Jesus Christus.
Wir Menschen sind alle einzigartig und es gibt keinen, der so ist wie du. Warum freuen wir uns nicht darüber und nehmen dieses Geschenk an? Stattdessen folgen wir einem Einheitsbrei und verlieren unsere Einzigartigkeit.
Ich habe es damals nicht als Geschenk gesehen, sondern wollte einfach dazugehören.
Und ich habe einen sehr hohen Preis dafür bezahlt. Denn hier geht es nur beispielhaft um Kleidung. Hier geht es darum, dass wir das Geschenk Gottes hinfortwerfen, um ein Teil der Gesellschaft zu sein, die keinen Wert auf Einzigartigkeit legt. Wir werden gefüllt und belagert von falschen Bildern und Wertvorstellungen, die uns schlussendlich krank machen, ohne dass wir es bemerken.
Und dann fallen später viele, wie auch ich, in ein Loch und fragen, was deren Lebenssinn ist.
Die Gesellschaft konnte mir keine adäquate Antwort auf diese Frage geben. Doch Gott bietet eine Antwort. Er ist derjenige, der uns geschaffen hat und einen Plan für unser Leben hat. Wenn wir diesen Plan erfahren wollen, dann nur durch ihn.
Ich habe in meinem Leben in sehr vielen Dingen Erfüllung gesucht: in der Karriere, im Urlaub, in Partys, in Beziehungen, in Alkohol, Drogen, Familie …
Und wohin hat mich das gebracht? In Depression.
Ende zwanzig war ich dann an der Stelle in meinem Leben, wo ich fast alle Punkte auf meiner Checkliste erreicht hatte, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen, laut Gesellschaftsmaß.
Nur war ich nicht glücklich, ganz im Gegenteil. Ich wusste nicht mehr, wohin mit mir. Die Hörstürze häuften sich, schlafen konnte ich schon lange nicht mehr richtig, und alles wurde nur noch zu einer Last.
Ich bin zusammengebrochen.
Ich ging zum Arzt, um Hilfe zu suchen. Dieser wollte mich mit zwei Wochen Pause beruhigen, aber er konnte die Tragweite meiner Krise nicht greifen. Also suchte ich nach einem Therapeuten und mit viel Glück, fand ich zeitnah jemanden, der mich betreuen konnte. So ging ich nun über zehn Monate nicht mehr zur Arbeit, aber dafür einmal wöchentlich zu einem Therapeuten.
Leider war dieser nicht einmal in der Lage, an der Oberfläche meiner Probleme zu kratzen. Somit konnte er mir auch nicht helfen. Aber eines hat das Ganze, dann doch bewirkt: Ich habe mit kleinen Schritten begonnen, etwas zu ändern; vom vorgefertigten Weg abzuweichen.
Und wisst ihr, wer mir dann schlussendlich erklärt hat, woher diese Leere in mir kommt?
Jesus.
Seit ich mich zu ihm bekannt habe, hat er mein Leben umgekrempelt und mir gezeigt, welche Pläne Gott eigentlich für mein Leben hat. Er hat mir mit Sanftmut gezeigt, welche Traumata in mir schlummern, wer sie ausgelöst hat und wie er alles Schlechte wieder in etwas Gutes verwandeln wird. Jesus hat mich die vergangenen Monate therapiert und er macht es fortlaufend.
Kein Therapeut der Welt hätte das so hinbekommen. Er sandte mir viele Träume und Visionen, vor allem zu Beginn, die mich Stück für Stück an die Wahrheit herangeführt haben. Eine Persönlichkeitsspalung (dissoziative Persönlichkeitsstörung), so wie sie bei mir der Fall ist, wird nicht häufig diagnostiziert, da sie nicht erkannt wird, und eine Behandlung dauert ewig.
Tja, Jesus hat bei mir ein Tempo vorgelegt und solch eine Behutsamkeit … das kann nur Gott.
Ich habe viele traumatische Ereignisse verdrängt, oder besser gesagt: Eine Persönlichkeit von mir hat sie durchlebt und teilt ihre Erinnerungen nicht mit den anderen Persönlichkeiten. Es ist ein Schutzmechanismus, der die Person davon abhält, selbstzerstörerisch zu handeln. Ein Mechanismus zur Selbsterhaltung.
Unfassbar, wie komplex der Mensch ist.
Ich hatte in einem Artikel bereits erwähnt (#21 Pause), dass ich vieles aus meiner Kindheit vergessen habe, doch Gott hat mir die Wahrheit gezeigt und einige Bilder wieder geradegerückt. Mein Verstand hat einige Erinnerungen verdreht, weil die Wahrheit zu schmerzhaft war.
Ich habe Gott um Klarheit gebeten. Er soll mir bitte Erinnerungen zurückgeben, damit ich dem glauben kann, was er mir über mein Leben erzählt hat.
Und er hat mich erhört. Direkt mehrere Sequenzen waren in meinem Kopf auf einmal wieder erreichbar. Doch da sind noch viele Lücken. Ich bin davon überzeugt, dass noch mehr Sequenzen zurückkommen werden, wenn ich so weit bin, aber garantiert nicht alle.
Gott ist immer noch ein Papa. Er zeigt mir nur das, was nötig ist, um die Wahrheit zu sehen und zu verstehen. Er therapiert mich ja nicht, um mich zu quälen und alles Leid der Vergangenheit aufzuwirbeln und Chaos zu bringen.
Sondern er bringt endlich Ordnung. Zudem trägt er meinen Schmerz und gibt mir Trost, den kein Mensch geben kann.
Durch die Wahrheit kommt endlich Klarheit über die Leere, die ich versucht habe, mit allem Möglichen zu stopfen, wie regelmäßigem Feiern, Alkoholtrinken, Urlaubmachen, ständiger Ablenkung durch Fernsehen und das Leben anderer. Ich suche nicht mehr nach einem Sinn für mein Leben, nach einer klaren Aufgabe.
Gott hat mir die Antwort gegeben. Er hat mich geheilt, richtet mich her und schult mich für das, was er noch mit mir vorhat. Und das ist eine Menge! Die kann ich auch nur mit seiner Hilfe bewältigen.
Gott hat Pläne für uns alle und er ist bereit, sie uns mitzuteilen.
Er ist die Orientierung, die nicht darauf abzielt, dich wie Millionen anderer Menschen über einen Kamm zu scheren, sodass alle Einheitskleidung tragen, die nicht zu ihnen passt oder zu ungesundem Verhalten drängt.
Gott ist die einzige Orientierung, die die Leere in dir füllen und dich zu deiner Bestimmung führen kann.


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