Wie viele Bilder sehen wir jeden Tag mit unseren Augen?
Dabei rede ich von Dingen, die wir uns bewusst, aber auch unbewusst ansehen. Wir gehen oder fahren durch die Straßen und sehen andere Menschen, wie sie aussehen, wie sie sich verhalten. Wir sehen die Natur, Gebäude und viele Gegenstände, darunter auch viel Werbung für Produkte oder auch für Menschen.
Einiges schauen wir uns bewusst an, doch das meiste nehmen wir unbewusst auf, zum Beispiel über unser Smartphone. Darunter sind Fotos, Videos, Filme, Nachrichten … Tagtäglich werden wir von unzähligen Eindrücken überflutet, und das von Geburt an. Diese werden als Bilder in uns gespeichert. Und auch wenn wir es meistens nicht merken und es auch nicht immer wollen, verändern sie uns.
Hattest du, nachdem du einen Horrorfilm geschaut hast, Angst im Dunkeln oder vor einem ähnlichen Szenario?
Ich unzählige Male. Als Kind habe ich viele solcher Filme mit meinen älteren Geschwistern gesehen.
Dann sagte ich nur: „Nein, das gruselt mich gar nicht.“ Aber von wegen! Die Nächte danach traute ich mich nicht mehr, ins Bad zu gehen, egal wie dringend ich musste.
Es entstanden Ängste, wo vorher keine waren.
Solch einen Einfluss haben aber nicht nur Gruselfilme. Noch gefährlicher sind die alltäglichen Bilder, die schon so normal scheinen, aber gravierende Auswirkungen haben können.
Als ich Mutter geworden bin, habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, welche Trickfilmserien oder Bücher mein Kind sehen darf, und auch habe ich stark auf meine Wortwahl geachtet. Zuvor lagen nicht selten Schimpfworte auf meiner Zunge, doch ich wollte nicht, dass er solche Dinge lernt.
Tatsächlich musste ich die meisten, der Serien und Bücher, die ich als Kind gesehen habe, von meiner Liste streichen, da ich merkte, wie mein Sohn, dessen Bilder im Kopf noch unschuldig waren, darauf reagierte.
Weg mit dem Gedanken: „Mir hat das als Kind auch nicht geschadet!“
Ach, wirklich nicht?
Stück für Stück offenbart mir Gott, welche Bilder mich bereits im Kindesalter beeinflusst und mich zu einem Verhalten bewegt haben, was fatale Folgen hatte, und auch welche falschen Bilder in den Köpfen anderer, Auswirkungen auf mein Leben hatten.
Also klar auf den Punkt: Wie viel Erfahrung hat ein sechsjähriges Kind in puncto Sexualität?
Am besten gar keine, und ich hoffe, da stimmen mir die meisten zu.
Doch mit welchen Bildern umgeben wir uns den ganzen Tag?
Was sehen unsere Kinder auf der Straße, im Bus, in der Schule, im Kindergarten, zu Hause? Welche Medien konsumieren sie? Wie ist der Umgang der Menschen, mit denen wir und unsere Kinder sich umgeben?
Wie verhalte ich mich? Denn die Kinder schauen nun mal zuerst auf die eigene Familie und den engsten Bekanntenkreis.
Kinder lernen indem sie das Gesehene nachmachen, doch sind sie nicht immer in der Lage zu unterscheiden, ob das, was sie sehen und tun, richtig oder falsch ist.
Wenn der Papa die Mama ungezwungen vor den Kindern küsst und sie am Hintern oder Busen berührt, kann das schnell als Bild abgespeichert werden, dass Mann das so macht. Und kleine Jungs fühlen sich gerne mal ganz groß, auch wenn sie es noch nicht sind.
So entstehen viele Bilder, die unbewusst abgelegt werden.
Überflutet werden wir in unserer Gesellschaft von Sexualität, dass man da kaum drumherumkommt.
Überall nackte Haut: in Werbung, in Schaufenstern, in der Schule, in der Familie, bei der Arbeit, am Strand, im Fernsehen und online.
Woher soll ein kleines Kind wissen, wie es damit umgehen soll?
Es kann damit nicht umgehen, denn es ist nicht für Kinderköpfe bestimmt.
In manchen Momenten ist es niedlich, wenn die Kinder den Erwachsenen nachmachen und sich abknutschen und sich wie kleine Erwachsene verhalten.
Aber es ist nicht mehr lustig, wenn es eine Grenze überschreitet, die es noch nicht gelernt hat, aber von den Erwachsenen gesehen hat, egal ob in der Realität oder im Film.
Ich erinnere mich an eine Szene aus meiner Kindheit, da hat auch mich ein Junge aus der Nachbarschaft geküsst. Wir beide waren 6 Jahre alt und gingen später auch in dieselbe Klasse. Meine älteren Geschwister belächelten das Ganze und zogen mich damit auf. Wir seien verliebt. So wie die Erwachsenen halt.
In meiner Erinnerung sah ich immer diesen flüchtigen Kuss und ein gekünsteltes Lachen auf meinem Gesicht. So war dieses Ereignis bis in die jüngste Vergangenheit in mir gespeichert.
Aber diese Erinnerung ist eine Lüge.
Nicht ohne Grund wird der Heilige Geist auch der Geist der Wahrheit genannt. Er überführt jede Lüge. Und seit ich mit Jesus Christus mein Leben führe, hat er viele Lügen aufgedeckt. Ich hatte schon einmal von dieser Lego-Kiste erzählt, an deren Boden sich ganz viel Dreck gesammelt hat (hier geht es zu dem genannten Artikel).
Der Heilige Geist hat mir nicht nur den Dreck und das Chaos gezeigt, sondern hilft mir auch aufzuräumen und setzt kaputte Teile wieder zusammen.
Die Wahrheit über diesen Kuss ist, dass der Junge mich tatsächlich aus dem Nichts auf den Mund geküsst und mich dann versucht hat zu begrapschen, so wie die Erwachsenen es tun. Doch ich ließ es nicht zu, schubste ihn weg und lief davon.
Warum war diese Erinnerung eine Lüge, fragst du dich jetzt vielleicht? Denn ich habe eigentlich gut reagiert und ihm gezeigt, dass das nicht ok ist.
Es liegt daran, dass es noch eine Szene gibt zu einem späteren Zeitpunkt, die ebenfalls als Lüge in meiner Erinnerung entlarvt wurde.
Dieser besagte Junge hatte mehrere ältere Brüder, denen er scheinbar erzählt hatte, dass ich ihn weggeschubst hatte. So beschlossen sie, mich zu ihrem Fahrradkeller zu locken und mich dort mit ihm zusammen einzusperren, damit ich nicht wieder weglaufen kann.
In meiner Erinnerung schlossen sie die Türe und ich war alleine mit dem gleichaltrigen Jungen. Im nächsten Moment öffnete sich auch wieder die Tür und nichts war geschehen.
Auch eine Lüge, die Gott freigelegt hat.
Sie haben mich mit dem Jungen zusammen eingesperrt und auch sein älterer Bruder war dabei. Diesmal konnte ich nicht weglaufen. Der jüngere Bruder hielt mich fest und der andere misshandelte mich.
Ich weiß nicht, ob ich versucht habe, es später jemandem zu erzählen, oder ob es direkt in meiner Erinnerung überspielt wurde. Was ich weiß, ist, dass es passiert ist und ich es aussprechen muss.
Wie wichtig sind also die Bilder, die sich in unserem Verstand ablegen? Ist es wirklich okay, wenn überall Busen und nackte Haut zu sehen sind und so hemmungslos mit dem Thema Sex umgegangen wird?
Ist das nicht vielleicht doch ein Thema, das zwei sich liebende Menschen im privaten Raum betrifft und besser nicht öffentlich zur Schau gestellt wird?
Woher hatten wohl diese Jungs aus der Nachbarschaft die Idee, mich zu vergewaltigen?
Ich denke nicht, dass ihnen überhaupt bewusst war, was sie da tun und wie sie mich damit verletzen.
„Die Erwachsenen machen es doch auch so.„
Vielleicht haben sie in einem Film gesehen, wie ein Mann und eine Frau intim werden, oder bei den Eltern, anderen Familienmitgliedern…
Kinder machen nach, was sie gesehen haben, doch verstehen sie nicht immer, ob es richtig oder falsch ist. Es ist wichtig, mit welchen Bildern wir unseren Kopf und unser Herz füllen. Es entscheidet manchmal nicht nur über unser eigenes Leben.
Gott heilt auch diese Wunden. Ich sagte bereits, er ist der beste Therapeut, denn er kennt alle Bilder in unseren Köpfen und unseren Herzen. Und nur er ist in der Lage, aus allem Bösen etwas Gutes zu machen.
Mehr im nächsten Artikel …


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