Unfassbar, wie lange mein letzter Artikel her ist. Vieles ist in dieser Zeit passiert und ich könnte es getrost auf die Umstände schieben, aber die Wahrheit ist: Es fällt mir manchmal schwer zu schreiben.
Wenn es einmal fließt und der Artikel fertig ist, fühlt es sich klasse an und auch befreiend. Es ist schließlich ein Tagebuch. In ein Tagebuch schreibt man Dinge nieder, um sie loszulassen und sie zu verarbeiten. Das Schreiben hilft mir sehr und es gibt so viel zu erzählen.
Ich bin zum dritten Mal Mama geworden.
Unser Sohn kam am 14. Februar zur Welt. Und rund um seine Geburt sind einige wundervolle Ereignisse passiert.
Eigentlich war für meinen Mann und mich nach unserem zweiten Kind, einem Mädchen, jetzt vier Jahre alt, klar, dass wir mit unserer Familienplanung durch sind. Als wir ausgewandert sind, haben wir somit auch keinerlei Babyartikel mitgenommen, weil wir gedanklich damit abgeschlossen hatten.
Um den dritten Geburtstag unserer Tochter herum, kam mir dann der Gedanke, ob ich wirklich keine Kinder mehr möchte. Ich schubste den Gedanken in meinem Kopf hin und her, behielt es aber für mich.
Ich war mir unsicher.
Ein Teil meiner Unsicherheit resultierte daraus, dass drei Chromosomen bei unserer Tochter von der Norm abweichen. Dies kommt selten vor und nur die Auswirkungen eines Chromosoms sind halbwegs erforscht. Kurz vor unserer Abreise aus Deutschland hatten wir noch die Ergebnisse der genetischen Untersuchung erhalten. Meist ist nur ein Chromosom verändert, laut Aussage der Genetikerin, doch bei ihr sind es drei. (Falls sich jetzt jemand fragt, ob sie Downsyndrom hat: Nein.)
Die Veränderungen des einen Chromosoms, welches teilweise erforscht ist, können eine Ursache für eine Vielzahl von Krankheiten sein, müssen es aber nicht.
„Ein Schauspiel der Natur“, sagte die Genetikerin, und sie legte uns nahe, genau darüber nachzudenken, ob wir in Zukunft noch weitere Kinder haben möchten.
Der andere Teil meiner Unsicherheit bezog sich auf die Coronaimpfungen meines Mannes. Er wurde zweimal in Deutschland geimpft. Da er zu der Zeit noch bei der Bundeswehr war, hatte er keine Wahl. Er musste sich impfen lassen, egal wie er dazu stand.
Welche genauen Auswirkungen und Spätfolgen es für seinen Körper hat, war und ist unklar. Damals sagten wir uns: „Gut, dass wir mit unserer Familienplanung durch sind.“
Und genau diese Gedanken kamen bei mir wieder hoch, als ich über meinen Kinderwunsch nachdachte.
Einige Tage nachdem die Gedankenschubserei in meinem Kopf losging, waren wir bei einem Paar eingeladen, ebenfalls Auswanderer aus Deutschland und Mitglieder der christlichen Gemeinde, die wir zu dieser Zeit besuchten.
Wir redeten an diesem Tag über allerlei Dinge, darunter den Grund unserer Auswanderung und auch über Corona.
Die Gastgeberin richtete sich in einem Moment direkt an meinen Mann. Sie hatte im Geiste ein Bild gesehen. Sie sagte, sie müsse es ihm unbedingt sagen, da sie den Eindruck habe, es beschäftige ihn sehr.
Das Bild war der Zeitpunkt seiner Impfung. In dem Moment, in dem die Spritze seine Haut durchstach und der Impfstoff in seinen Organismus drang, war ein Engel da, der seine Hand schützend dazwischenhielt, damit der Impfstoff keinen Schaden anrichtete.
Sie fragte meinen Mann: „Hat dich das wirklich beschäftigt? Ich hatte den Eindruck.“ Er lachte nur und verneinte es.
Ich musste in diesem Moment weinen. Alle schauten mich nur irritiert an.
Es hatte nämlich mich beschäftigt und er wusste nichts davon. Niemand wusste davon, dass ich seit Tagen darüber grübelte. Aber Gott hat mir scheinbar zugehört und wollte mir meine Ängste nehmen.
Er hört uns, auch wenn wir nicht „Oh Vater … und Amen!“ sagen. Er ist immer da.
Auf der Heimfahrt erzählte ich schließlich meinem Mann, warum mich dieses Thema beschäftigte, und mit den Wochen und Monaten festigte sich der Entschluss, dass, wenn es Gottes Wille ist, dass wir noch ein Kind bekommen, es auch so passieren wird.
Jedes Leben ist ein Geschenk.
Doch da kam auch ein kleiner Wunsch hoch, als ich die Entscheidung Gott überließ: Ich möchte eine Mama bei mir haben, die mich unterstützt, nachdem das Kind auf der Welt ist.
Sicherlich können mein Mann und ich das auch alleine rocken mit drei Kindern, doch da war solch eine Sehnsucht in mir – Sehnsucht nach meiner Mutter.
Tatsächlich wurde ich zügig schwanger und musste bei der Berechnung des Geburtstermins laut lachen. Es war der 13. Februar 2026. Meine Schwiegermutter kommt genau zu dieser Zeit bereits das 3. Mal in Folge für einen Monat nach Uruguay.
Genial, oder?
Bereits während der Schwangerschaft fielen mir die unzähligen Mütter auf, die sich um mich sorgten. Immer wieder kamen die Fragen, ob ich mich gut ernähre und ausreichend trinke, ich solle mich mehr erholen und bloß nicht zu schwer heben. Zum Ultraschall musste ich auch nicht alleine und auch als ich mit Grippe im Bett lag, kamen Freunde vorbei mit Tee, Schokolade und Gebet.
Auch um die Babyausstattung musste ich mich nicht sorgen. Eine andere Mama in meinem Alter überließ mir eine Erstausstattung für unser Baby: Babykleidung, Babyschale für das Auto, Wippe, Beistellbett, sogar Windeln und Umstandskleidung. Und zwei volle Koffer kamen dann noch aus Deutschland mit meiner Schwiegermama.
So viele Mamas, die mir unter die Arme griffen – das klingt nicht mehr nach Zufall, sondern eher nach göttlicher Versorgung.
Zur Geburt
Erstaunlich, aber wahr, platzte meine Fruchtblase genau am errechneten Geburtstermin. Es war etwa sieben Uhr abends und wir saßen alle im Auto, auf dem Weg nach Hause.
Ich sprach zu Gott und bat ihn: „Bitte lass die Geburt erst losgehen, wenn die Kinder im Bett sind.“
So habe ich mir nämlich meine Alleingeburt zu Hause vorgestellt. Das Baby soll kommen, wenn die Großen schlafen. So habe ich meine Ruhe, benötige keinen Babysitter und kann mich ganz auf mich konzentrieren.
Und du wirst es nicht glauben:
Die Fruchtblase platzte, doch die Wehen blieben aus. So haben wir die Kinder nach unserer Ankunft in Ruhe ins Bett gebracht. Ich konnte sogar noch etwas aufräumen und das Bad putzen. Danach legte ich mich schlafen und nach einer Stunde gingen erst die Wehen los. Um fünf Uhr morgens, bevor unsere großen Kinder wach wurden, kam er schließlich zur Welt.
Gedanklich hatte ich es genau so geplant. Aber wann passiert eine Spontangeburt denn jemals nach Plan?
Und nicht nur mein Wunsch wurde gehört, sondern auch der meiner Schwiegermutter. Sie war überglücklich, ihr Enkelkind nur zwei Tage nach der Geburt in den Arm zu nehmen, und auch, dass sie nicht live bei der Geburt dabei sein musste. 😅 Wir hatten ihr natürlich von unseren Plänen der Alleingeburt erzählt. Sie war sehr froh, dass dieser Kelch an ihr vorüberging.
Aus rechtlichen Gründen musste ich nach der Geburt ins nächste Krankenhaus und dort für zwei Tage mit meinem Sohn zur Kontrolle bleiben. Ihr Flug verzögerte sich um einen Tag, sodass mein Mann seine Mutter am 16. Februar vom Flughafen abholen konnte und danach unser Baby und mich aus dem Krankenhaus einsammelte.
Perfektes Timing, sag’ ich da nur.
Zugegebenermaßen wusste ich nicht, dass ich im Krankenhaus bleiben muss. Ich dachte, ich spaziere nach der ärztlichen Kontrolle wieder hinaus. Na ja …
Die Ärzte waren auch keineswegs begeistert, dass unser Sohn nicht im Krankenhaus geboren wurde, noch dazu ohne Hebamme. Beide Parteien waren also nicht sehr erfreut. 😅
Ich verabscheue Krankenhäuser und ich wollte keineswegs bleiben. Doch schließlich beugte ich mich dem Gesetz und hoffte, dass Jesus das Beste daraus machen würde.
Ich wurde nicht enttäuscht.
Dieses Hospital war etwa eineinhalb Stunden Autofahrt von unserem aktuellen Zuhause entfernt, doch nicht weit davon leben zwei Freundinnen aus unserer uruguayischen Gemeinde, die ich nach der Geburt gebeten habe, ins Krankenhaus zu kommen. Sie waren da für mich und halfen mir, alles mit den Ärzten zu klären. Auch die Tage darauf wechselten sich weitere Schwestern der Gemeinde ab, sodass ich kaum alleine war.
Ich bin letztlich dankbar für diese Zeit, in der ich mich nur auf ein Kind konzentrieren musste, meine Freundinnen wiedersehen durfte und einfach mal Ruhe hatte.
Genial war es zudem, dass ich die einzige Patientin auf der Entbindungsstation war, sodass ausnahmsweise auch meine größeren Kinder zu Besuch kommen durften. Eigentlich war dies aufgrund von Infektionsrisiken verboten.
Als wir schließlich entlassen wurden, konnten wir im Krankenhaus noch die Geburtsurkunde mitnehmen. Hier in Uruguay läuft nur alles etwas anders und manchmal ist das ganz schön überfordernd. Doch auch in dieser Situation merkten mein Mann und ich, dass uns jemand hilft, auch wenn wir ihn nicht sehen.
Die Alleingeburt hatte sich im Krankenhaus herumgesprochen und die Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Abteilungen kannten uns bereits, gratulierten uns zur Geburt und halfen uns beim Papierkram.
Halleluja. Solch ein Segen!
Scheinbar ist eine Alleingeburt ein Phänomen geworden. Für mich war es auch das erste Mal. Meine zwei anderen Kinder kamen in Deutschland im Krankenhaus zur Welt, und ich hatte bis dahin nicht einen Gedanken daran verschwendet, alleine zu gebären. Hätte ich damals nie gewagt und nie gemacht.
Dieses Mal wusste ich aber, dass ich nicht alleine bin. Jesus sagte mir, dass er bei mir sein wird und ich meine Ängste und Sorgen auf ihn werfen soll. Er ist mein Arzt und er ist bei mir.
Er hat tatsächlich für alles gesorgt! Ich habe auf ihn vertraut und er hat mir ein solch großes Geschenk gemacht.
Für deine Gnade bin ich dir unfassbar dankbar.
Nicht ohne Grund heißt unser Sohn Emanuel, denn Gott ist mit uns.


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