Mich hat kürzlich ein sensibles Thema gewurmt und ich möchte euch gerne meine Gedanken mitteilen. Meistens werden meine Gedanken klarer, wenn ich einfach beginne zu schreiben.
Gelegentlich, vielleicht geht es euch da so wie mir, begleiten mich emotionale Auf und Abs. In einem Tiefpunkt bin ich echt unausstehlich. Ich bin schnell auf der Palme und schlage um mich. Mittlerweile weiß ich, dass ich dann an einem Punkt bin, etwas zu verarbeiten, was tief in mir steckt. Meist geht es danach wieder besser, wie eine Hürde, die überwunden werden muss.
In einer Online-Predigt hörte ich einen Pastor erzählen, dass es ihm manchmal schwerfällt, alle seine Gemeindemitglieder gleich zu behandeln. Es steht in der Bibel geschrieben: „Du sollst den Nächsten lieben, wie dich selbst.“ Jedoch falle es ihm sehr schwer, einen Kaktus zu umarmen. Damit meinte er Menschen, die innerlich so verletzt sind, dass sie nicht in der Lage sind, jemanden an sich heranzulassen.
Und genau daran musste ich mich erinnern, als bei mir wieder unerklärliche Emotionen hochgekocht sind.
Doch in diesem Moment, ich stand draußen allein in unserem Garten, starrte ich nur in den Himmel und sagte zu Gott: „Ich bin kein Kaktus! Ich bin ein Igel! Ich bin lieb, doch bei Gefahr rolle ich mich zusammen und kann verletzend sein, wenn man mir zu nahekommt.“
Und auch das Bibelzitat ließ mich nicht los.
Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was Liebe ist. In der Bibel steht: Gott ist Liebe. und: „Die Liebe ist langmütig, ist gütig; die Liebe neidet nicht, die Liebe tut nicht groß, sie bläht sich nicht auf, sie gebärdet sich nicht unanständig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet Böses nicht zu, sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles. Die Liebe vergeht nimmer; […]“
Doch irgendwie bringt mich das auch nicht weiter. Es steht dort wiederum geschrieben, dass du den Nächsten lieben sollst, wie dich selbst. Doch was ist, wenn ich den anderen mehr liebe als mich? Es heißt, wenn du dich selbst nicht liebst, ist das eine Rebellion gegen Gott, denn er liebt dich so, wie du bist, er hat dich erschaffen, und du stellst ihn damit infrage. Das heißt aber nicht, dass er alles gutheißt, was du tust.
Hach… Mein Kopf läuft über.
Kürzlich hat mein 6-jähriger Sohn am Abend beschlossen, dass er mich im Haushalt unterstützen will, und in Eigenregie den Abwasch gemacht. So konnte ich in Ruhe seine zwei kleinen Geschwister ins Bett bringen.
Er war so stolz auf seine Arbeit. Doch ich sah da noch mehr als nur Stolz. Er wollte mich beeindrucken und Lob sammeln. Als ob meine Liebe zu ihm von seinen Taten und seiner Leistung abhängt. Ich wusste innerlich, dass er genau das denkt.
Als die Kleinen schließlich schliefen und ich mit meinem großen Sohn im Bett kuschelte, musste ich das gerade rücken.
Ich sagte ihm, dass ich es toll fand, dass er mir so gut im Haushalt geholfen hatte, doch das ändere nichts an meiner Liebe zu ihm. Er muss mich nicht beeindrucken oder meine Aufmerksamkeit suchen. Gute Leistung bringt mich nicht dazu, ihn mehr zu lieben.
Ich liebe ihn. Und ich liebte ihn bereits, als er noch in meinem Bauch war. Und ich wäre bereit, mein Leben für ihn zu geben.
Ich hatte genau den Nagel auf den Kopf getroffen. Das bestätigte er mir.
Neben uns im Bett lag sein kleiner Bruder, der in dem Moment 6 Wochen alt war. Ich sagte zu meinem großen Sohn: „Sieh dir deinen kleinen Bruder an. Meinst du, ich liebe ihn etwa nicht? Er ist nicht in der Lage, Leistung zu erbringen. Du liebst ihn, doch selbst seit er noch bei mir im Bauch war, und er musste und kann bis jetzt nichts dafür tun. Und auch dich liebe ich, seit ich wusste, dass du in meinem Bauch bist, und nichts kann daran etwas ändern. Gute Leistung mehrt die Liebe nicht, so heißt es auch, dass wenn ich schimpfe, ich dich nicht weniger liebe. Die Liebe, sie ist da, bedingungslos und ohne Grenzen.“
Später habe ich gemerkt, wie selbstverständlich und intuitiv diese Worte aus mir herauskamen. Sie kamen aus meinem Herzen, als ob sie da hineingraviert wären.
Letztlich ist es genau das, was auch die Bibel über die Liebe sagt.
Gottes Liebe ist da und wir können sie uns nicht verdienen. Er ist unser Vater und er hat uns, noch bevor wir auf der Welt waren, geliebt ohne Grenzen. Tatsächlich ist er auch für uns gestorben. Auch wenn wir uns abwenden, ihn ablehnen und rebellieren: Er liebt uns und wartet, bis wir wieder zu ihm kommen.
Ich schreibe diese Worte und sie sind so klar, wenn ich sie meinem Sohn sage, doch mein Herz hat so Probleme, Gottes Liebe anzunehmen … mich selbst so zu lieben, wie er mich geschaffen hat.
Immer wieder stört mich etwas an mir: Ich bin zu dick, zu stolz, zu aufbrausend, zu launisch … Ich zweifle so häufig an mir. Ich versuche mir einzubläuen, dass mir egal ist, was andere von mir denken, doch das ist es nicht.
Ich fühle mich wie ein Schiff, das an allen Enden Löcher hat – überall läuft Wasser hinein. Wie kann Gott solch ein Wrack lieben? Ich sehe doch selbst die ganzen Makel. Wie kann ich mich dann als Kind Gottes bezeichnen, wenn Gott Alpha und Omega ist?
Er ist ohne Makel, die Herrlichkeit. Wie kann das gehen?
Tja, das gleiche Problem, das mein Sohn auch hatte, nur eine andere Perspektive. Egal wie er ist und was er tut, ich liebe ihn.
Und so auch Gott. Gott liebt seine Kinder, mit all ihren Makeln. Er wartet nur darauf, dass wir uns ihm zuwenden.
Irgendwann werde ich das hoffentlich auch annehmen können.


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